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Jean Racine/ Sophokles PHAEDRA
Production and Version for THOC: Michael Leinert Stage design and costumes: Andy Bargilly





Phaedra Annita Santorineou Hippolytos Neoklis Neokleous Arikia Christina Pavlidou Aphrodite Elena Dimitriou Evripidis Spyros Stavrinides
Phaedra II Lenia Sorokou Theseus Nikos Charalambous Oenone Alkistis Pavlidou Ismene Androula Heracleous Theramenes Demetris Xystras



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Successful world premiere in CYPRUS on October 26, 2002
"...erfolgreiche Uraufführung der
griechischen Übertragung des großen, kretischen Dichters!"


P
roduction and Version for THOC: Michael Leinert Stage design: Andy BargillyCostumes : Stavros Antonopoulos Music: Savvas Savva
DER HERR Antonis Katsaris MEPHISTOPHELES Varnavas Kyriazis FAUST Neoklis Neokleous

OSTERSPAZIERGANG Easter Walk FAUST meets HELENA Elena Dimitriou ( a selected part of Faust II )
Theater der Zeit
Theatre Magazine 12/2002 - Berlin/GermanyVon griechischer Antike in Europas Gegenwart
von Thomas Irmer
Die Insel der Aphrodite ist immer noch geteilt, genauer gesagt ihr Norden türkisch besetzt. Nach der türkischen Invasion 1974 wurden etwa 200 000 Zyprioten vertrieben und das besetzte Gebiet systematisch mit Türken vom Festland besiedelt.

Nur 300 Meter entfernt von den Stacheldrahtsperren steht das Stadttheater von Nikosia, Anfang der sechziger Jahre erbaut im Stil schlichter Moderne mit fast 1200 Plätzen. Auf schwarzen Plakaten ist in schwungvollen griechischen Lettern „Faust" angekündigt - von Goethe und Kanzantzakis. Der Schöpfer des „Alexis Sorbas" übersetzte als junger Schriftsteller nicht nur Nietzsche, Darwin und Bergson ins Neugriechische, sondern auch Goethes Hauptwerk. Nikos Kazantzankis’ wortgetreue, dabei sehr poetische Übertragung wurde 1936 sogar als Fortsetzungsserie in einer Zeitung abgedruckt, danach aber nie aufgeführt oder anderweitig gedruckt.
Erst vor zwei Jahren wurde sie wiederentdeckt, und der Düsseldorfer Regisseur Michael Leinert, der in Zypern schon durch einige Inszenierungen sich einen Namen gemacht hatte, wurde von der Theaterorganisation Zyperns THOC eingeladen, diesen „Faust" auf die Bühne von Nikosia zu bringen. Im griechischsprachigen Raum durchaus keine Erstbegegnung mit dem Stück, ein Dutzend Inszenierungen seit knapp hundert Jahren sind bekannt - aber eben keine in der Übertragung von Kazantzakis.
Wie in anderen kleineren Ländern spielte die nationale Theaterorganisation eine herausragende Rolle für eine junge und wenig entwickelte Theaterlandschaft in dem heute eine dreiviertel Million Einwohner zählenden Zypern. 1971 als halbstaatliche Organisation gegründet, führte sie die vor allem während der sechziger Jahre rasch auf internationale Zeitgenossenschaft und nationale Eigenständigkeit zielenden Impulse der zypriotischen Theaterszene zusammen, die zuvor, in der britischen Kolonialzeit, nicht gerade gefördert worden waren. Die Besonderheit von THOC im Unterschied zu anderen Ländern ist nun, dass diese Organisation Verband und Nationaltheater in einem ist, mithin der größte Theaterproduzent im Lande und gleichzeitig eine dem Kulturministerium nahe Institution, die alle Theaterleute Zyperns vertritt. Andy Bargilly ist ihr Vorsitzender, Intendant und zugleich Chefbühnenbildner, ein aus dem heute besetzten Teil stammender Mittfünfziger, der in der bewegten Zeit um 1968 bei den Meistern des Schwarzlicht-Theaters und der „Laterna Magica" in Prag Szenographie studierte und seit den achtziger Jahren mit seinen THOC-Produktionen von Stücken der griechischen Antike im darauf spezialisierten internationalen Festival von Epidauros beinahe durchgehend auf die größten Erfolge verweisen kann. Die im dortigen antiken Zuschauerrund besonders wirkenden Arbeiten seines avancierten Raumtheaters - vergangenen Sommer für Euripides’ „Phönizierinnen" - weiß er zunächst aber für die große Kastenbühne des Stadttheaters von Nikosia einzurichten. Und Bargilly war neben seiner Eigenschaft als veranstaltender Intendant auch der Bühnenbildner des „Faust".

LUSTIGE PERSON/Comedian Michaelis Moustakas DIREKTOR Andreas Vassiliou DICHTER/Poet Stavros Louras
Als rundum umtriebigen Theaterdirektor wird gleich zu Anfang, dem „Vorspiel
auf dem Theater", auf ihn angespielt. Das Handy am Ohr, empfängt ein seine
Barttracht tragender Schauspieler den Dichter zur rechten, die lustige Person
zur linken auf der riesigen Vorbühne. Diese Eröffnung ist ein wesentlicher Teil
des Konzepts von Michael Leinert, denn auf das Theater auf dem Theater kommt er
- im Verlauf der knapp dreistündigen Inszenierung seines „Faust I" mit den darin
drei einbezogenen Szenen aus dem zweiten Teil - mit Faust und Mephisto immer
wieder zurück, wenn sie auf der Vorbühne, wo an den Seiten zwei kleine
Klappstuhlreihen stehen, ihre Sache verhandeln oder kommentieren

Hinter dem Theaterdirektor schimmert schon der „Prolog im Himmel" durch den schwarzen Vorhang, mit einem würdigen alten Herrn - Gott als Schauspieler mit elisabethanischem Kragen - vor den drei Erzengeln mit Lichtflügeln und einem trotz Plateauschuhklumpfuß frech wendigen Mephisto. Es ist ein leichter Umgang mit diesen sphärischen Höhen, der dieses dann um einige Szenen geschickt gekürzte Stationendrama auf den Weg bringt. Die Studierstube ist eine gigantische Bücherhalde, in der einer sein halbes Leben und wohl auch alle mediterrane Lebensfreude verpasst hat; ein Erdgeist, der mit seiner magischen Kraft nur enttäuschen kann, ist hier folgerichtig bloß per Band vernehmbar. Faust ist durchgehend mit dem jungen, in Zypern populären Schauspieler Neoclis Neocleus besetzt. Dieser anfangs auf alt Geschminkte entpuppt sich nach der Hexenküche - ein rundum verjüngendes Fitnessstudio - als vitaler Kerl, der dank Mephisto, der in der Bücherhalde erst mal als ferngesteuerter Spielzeugpudel auffährt, seine Midlifecrisis erfolgreich wegbiegt: den Existenzteufel. Sinnreicher Kontrast dazu, ein ewig alter Wagner, entsprechend besetzt. Und kein „Auerbachs Keller", keine „Walpurgisnacht". Der Kern der Geschichte soll sich hier anders entfalten, entwickelt von den angemessenen Erfahrungen des deutschen Regietheaters. Leinert macht dennoch keinen Anti-Faust, der hier ja auch keine beladene, überinterpretierte Rezeptionsgeschichte hätte, er zeigt einen klug vermittelten modernen Faust, der für das Stück wirbt, es vorstellt, zugleich mit unbekannten Sichten bekannt macht.
Das Wagnis des Regisseurs gilt dem Versuch, mit einer Montage in der Erfahrung Zyperns anzukommen. Die „Helena"-Szene folgt der Verjüngungskur: „Du siehst, mit diesem Trank im Leibe, / Bald Helenen in jedem Weibe." Eine Miniatur-Akropolis im azurblauen Hintergrund, erscheint nicht nur Helena (Elena Demetriou) vor diesem Palast des Menelas, sondern es rasten auch zwei erschöpfte amerikanische Touristen vor dem Panorama. Die Zeiten rücken ineinander, erhaben, ein bisschen aber auch mit Spott und Ironie. Die Inszenierung springt zurück zu Faust und Gretchen, die Regie hält für jede einzelne Szene einen eigenen Erzählstil parat.

MEPHISTOPHELES Varnava Kyriazis MARTHE SCHWERTLEIN Annita Santorineou
In der Gartenszene mit Frau Marthe zeigen Leinert und Bargilly, was eine üble deutsche Gartenparty mit Plastikmöbeln und Karl-Dall-Schenkelklopfern ist. Varnavas Kyriazis gibt seinem Mephisto Zucker und legt den Weibsteufel Marthe (Anita Santorineou) gleich neben der Bowleschüssel flach. Derb darf es sein, und das gehört doch zur Fallhöhe für den Rest der Geschichte von Gretchens Tragödie.
Ausgerechnet bei der Zigarette danach stellt Christina Pavlidou im Bett die berühmte Frage nach der Religion. Die sie bald bedrohende mittelalterliche Stadt wird mit fahrbaren kleinen Häuschen gezeigt, an die Kirche tritt ein leibhaftiger böser Geist im Priestergewand, Gretchens Ende im Kerker mündet schließlich in ein kühnes Finale gesteigerter Szenenmontage. Während Faust und Gretchen wie in einem Freeze verharren, läuft zur rechten die Geschichte von Philemon und Baucis, im Hintergrund ein vielköpfiger Flüchtlingszug - die Motive von Tod, Heimkehr und Flucht stehen nebeneinander in einem großen Bild, dessen überaus deutliche Bezüglichkeit hier freilich weit über Zypern hinausgeht. Den sterbenden Faust kann dieser Augenblick wohl kaum veranlassen, ihn zum Verweilen anzurufen, auch wenn Helena noch einmal erscheint, mit den Schlusszeilen des Chorus Mysticus.
Dieses symbolisch-assoziative Finale gleich mehrerer Enden entgeht der Gefahr des Überladenseins durch Klarheit, vorbereitet mit beinahe allen vorausgehenden Szenen. Leinerts Regie, die am Schluss sein Gespür für die große Oper bewies, hat insofern nicht nur Kazantzakis’ Übersetzung ins Leben gerufen, sondern auch mit einer eigenen, überzeugenden Stückfassung „Faust" auf neue Weise nach Zypern geholt. Das Ensemble, sehr groß für heutige deutsche Verhältnisse, wirkte bestens aufgelegt für diese Unternehmung, der das Publikum mit gespanntester Aufmerksamkeit folgte. Faust als problembeladener Zeitgenosse mit antiken Bezügen, dabei leichter, freundlicher, lebensoffener als seine nördlichen Verwandten, auch ein bisschen gewitzter und weniger metaphysisch - das ist Theater, an dem man sich nicht nur in Zypern begeistert. Und am Ende strahlt Helena.

FAUST Neoklis Neokleous MARGARETE Christina Pavlidou

MARGARETE Christina Pavlidou BÖSER GEIST /Bad Spirit Antonis Katsaris FAUST Neoklis Neokleous

FAUST's Death Neoklis Neokleous Christina Pavlidou FAUST II Szene Philemon und Baucis - The Refugees
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