"Triumph für eine gelungene Wiederentdeckung der französischen Großen Oper!"
HAMLET wird am 26. Mai 2007 in der RheinOperMobil - mit teilweiser neuer Besetzung - wieder aufgenommen:
Kerstin Avemo Ophélie, Christophoros Stamboglis Claudius, Manfred Fink Laertes und Bodo Brinkmann Le Spectre.
Weitere Termine: 28.05., 03.06., 07.06. und 09.06.2007

Deutsche Oper am Rhein
Mittwoch, 22. März 2006, 19.30 Uhr Premiere Opernhaus DüsseldorfAmbroise Thomas (1811-1896)
HamletMusikalische Leitung
Alexander Joel Inszenierung und Bühne Michael LeinertKostüme
Marie Theres Cramer Licht Volker Weinhart Chor Christoph KurigHamlet Tassis Christoyannis Ophélie Marlis Petersen
Claudius John Wegner Gertrude Jeanne Piland
Laerte Andrej Dunaev Marcellus Torsten Hofmann
Horatio Günes Gürle Polonius Bruno Balmelli
Totengräber Daniel Djambazian, Alexandru lonitza
Der Schatten des verstorbenen Königs Michail Milanov

HAMLET Tassis Christoyannis Ophelia Marlis Petersen in der Wahnsinns - Szene
Frankfurter Allgemeine Zeitung Feuilleton 25. März 2006
Mach mir den Pollock, Ophelia
Dänenprinz mit KW – Vermerk:
Die „Hamlet" – Adaption von Ambroise Thomas in der Deutschen Oper am Rhein
Die Kernfrage von Shakespeares Hamlet lautet „Sein oder nicht Sein"? Er stellt sie, als der auf ihn lastende Druck, den Mord an seinem Vater zu rächen, übermächtig wird und ihm den Gedanken an Selbsttötung suggeriert. Natürlich muß diese Szene im Mittelpunkt jeder „Hamlet"- Vertonung stehen. Humphrey Searle beispielsweise, dessen Shakespeare-Oper in Hamburg herauskam, ließ zu den Worten „To be or not to be" erstmals die seinem „Hamlet" zugrunde liegende Zwölftonreihe komplett ertönen. Ein Jahrhundert früher war man weniger skrupulös. Ambroise Thomas, dessen „Hamlet" 1868 in Paris Premiere hatte, versah Hamlets Monolog mit dem Vermerk „Kann gestrichen werden".
Das ist ein Hinweis auf jenen Wildwuchs der seit 1821 in Frankreich herrschenden Goethe- und Shakespeare-Verehrung, die etwa Hector Berlioz zu seinen Szenen nach Goethes „Faust" inspirierte. Der Begriff Literaturoper, der sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts mit Debussys „Pelléas et Mélisande" oder Richard Straussens „Salome" entwickelte, kann auf Berlioz oder Gounod so wenig angewendet werden wie auf Thomas' „Wilhelm - Meister" - Verschnitt „Mignon" oder eben seinen „Hamlet". Gleichwohl besitzt. dieser nach der Übersetzung von Dumas père und einem Mitstreiter vom Librettistenpaar Carré - Barbier ins Prokrustesbett
* des Musiktheaters gepreßte „Hamlet" innere Dringlichkeit.Diese äußert sich nicht allein in der Beschneidung der Motive auf Hamlets durch die Komplizenschaft des Polonius am Königsmord verdichtete Rache, in der für Gildenstern und Rosencrantz nebst Fortinbras kein Platz bleibt. Zudem relativierte Thomas den Streichvermerk des erwähnten Monologs dadurch, daß er in die orchestrale Begleitung eine zweimalige Dreitonfolge schmuggelte. Diese ähnelt auffällig jener, der Beethoven in seinem letzten Streichquartett die Frage „Muß es sein?" mit der anschließenden Antwort „Es muß sein!" zugeschrieben hat.
Ähnlich hielt es die Deutsche Oper am Rhein, die dieses in Deutschland als gesungenes Kulturgut geltende Werk in den Spielplan nahm. Geplant war es als Eröffnungsobjekt in jenem nahe dem Rhein erbauten mobilen Globe Theater, das bis ins kommende Frühjahr dem sanierungsbedürftigen Düsseldorfer Haus des Zwei Städte - Instituts als provisorische Spielstätte dient. Da diese nackte Shakespeare Bühne nicht rechtzeitig fertig wurde, kam die Produktion noch im alten Guckkasten Theater heraus, wo der bewährte Chefdramaturg Michael Leinert aus Not ein Bühnenbild mit Versatzstücken aus alten Produktionen zusammenstellte.
So erscheint zum Vorspiel, der kofferbepackte Hamlet als Reisender zwischen Sein und Nichtsein vor einem roten Theatervorhang, besichtigt dahinter den ursprünglich Wagners Jung-Siegfried zugedachten Kinderstuhl, klassizistische Säulen des Neureichenpalais Faninal aus dem „Rosenkavalier" und das Doppelbett aus Schrekers Oper „Die Gezeichneten". Dann besteigt er den vor einer Leinwand postierten Aussichtsturm, wo er als erste in wechselnde Landschaften projizierte Leuchtschrift Hamlets Originalzitat liest „The time is out of joint". Daß die Zeit aus den Fugen ist, vermittelt Leinert weniger durch seine Personenregie als durch die Vielzahl projizierter Zitate aus Heiner Müllers „Hamletmaschine". Diese Zutaten entlehnen eine Modernität, die Leinert in der Wahnsinnsszene der Ophelia allerdings auch aus dem Kontext entwickelt.
Diese garniert mit glitzernden Koloraturketten hier allerdings nicht ihre an die (samt Ballett und Chor gestrichene) Landbevölkerung verteilten Blumen, sondern das in ihrem Wahn an einer riesigen weißen Leinwand praktizierte action - painting. Die Souveränität, mit der Marlies Petersen diese Doppelaktion mit ihrem lupenreinen Sopran bis hinauf zu den ansatzlos getroffenen hohen Hs meistert, steigert die Szene ebenso zu großem Musiktheater wie Ophelias anschließendes Versinken im Wassergrab, zu dem der Summchor die Reprise ihrer Ballade singt.
Der Charakterbariton Tassis Christoyannis in der Titelrolle steht mit seiner Legatokunst und dem schnellen, aber schmalen Vibrato in der alten Belcantoschule. Er trifft auch deklamatorisch die Stil - Idiomatik der Musik, bis hin zum Verzweiflungspathos, in das er die zweite Strophe seines Trinklieds „O vin, dissipe la tristesse" steigert. Mit einem solchen Sängerdarsteller läßt sich sogar der originale Schluß verwinden (für London schrieb Thomas einen tragischen), wenn der (hier zu oft erscheinende) Geist von Hamlets Vater nach der vollzogenen Rache an seinem Mörder den Sohn zum Herrscher ausruft. Denn dieser bricht zum chorischen E-Dur - Jubel unter der neuen Last schier zusammen. Da dem auf Weltklasseniveau singenden Protagonistenpaar mit Jeanne Piland (Gertrud), John Wegner (Claudius) und Andrej Dunajew (Laertes) ein gewichtiges Gegenspiel zur Seite steht, war der Erfolg der von Braunschweigs designiertem Generalmusikdirektor Alexander Joel nach anfänglichen orchestralen Problemen stilsicher dirigierten Aufführung folgerichtig. Er mußte sein.
ULRICH SCHREIBERJackson Pollock (* 28. Januar 1912 - † 11. August 1956) war ein US-amerikanischer Maler. Seine Stilrichtung zählt zum Action Painting sowie zum Abstrakten Expressionismus (American Abstract Painting).Er ist einer der bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts. Er hatte nicht nur auf die amerikanische sondern auch auf die europäische Kunst Einfluss. 1943 schließt die Galeristin Peggy Guggenheim mit ihm einen Vertrag und stellt Pollocks Werke aus. Diese sind zu dieser Zeit deutlich surrealistisch orientiert und folgen der Écriture automatique, einer ihrer Absicht nach vom Willen abgelösten automatischen Malerei, mit der sich die innere Welt des Künstlers spiegeln soll. Über diese malerische Haltung gelangt Jackson Pollock schließlich zu seinem ganz persönlichen Stil. Er wendet sich ab vom Figurativen, aber auch allen Elementen, die Bezüge zur Wirklichkeit besitzen können. Ab 1946 entwickelte Pollock die Dripping-Technik (er lässt Farbe auf die auf dem Boden liegende Leinwand tropfen und fließen, schüttet, sprengt und spachtelt, so dass sich Strukturen, Rhythmen und Muster aus Farbspritzern und –flüssen bilden; Jackson trägt die Farbe vielfach nicht mehr mit einem Pinsel auf, sondern lässt sie aus einem Loch im Boden einer Farbdose fließen). Mit diesen Gemälden schreibt sich Jackson Pollock in die Kunstgeschichte ein und wird zu einem der bedeutendsten amerikanischen Künstler der Moderne. Seine Bilder leben vom Kontrast und wollen damit den widersprüchlichen Gegensatz von Körper und Seele ausdrücken. Die Arbeiten sind vollkommen frei, und es ist auch der Malakt, der diesen Stil des Abstrakten Expressionismus so bekannt gemacht hat. Mit dieser Technik des Action Painting schuf Pollock komplexe, ineinander verwobene Farbstrukturen, wie in Kathedrale (1947, Museum of Fine Arts, Dallas). Jackson Pollock gilt als bedeutendster abstrakter Expressionist der USA. Werke von Jackson Pollock finden sich in den großen Museen der USA und Europas.
*) Prokustesbett : Der antiken Sage nach hackte oder streckte der Riese Prokustes die Glieder seiner Gäste auf die Länge, damit sie in das von ihm gezimmerte Bett passten.
________Das________OPERNGLAS Mai - Ausgabe 5/2006
Eine junge Frau bricht zusammen mit den Worten „Je meurs" - und die Menschen, die ihrem Leiden zugeschaut haben, brechen in tosenden Applaus aus. Typisches Verhaltensmuster für eine erschreckend abgebrühte Gesellschaft? Nein, denn der Jubel dient als Emotionsventil bei der Neuinszenierung von Ambroise Thomas' fünfaktiger Oper »Hamlet« an der Deutschen Oper am Rhein und bringt zugleich das hervorzuhebende Merkmal dieser bemerkenswerten Produktion am Düsseldorfer Opernhaus auf den Punkt: Der Abend gehört einem hoch qualifizierten Sängerensemble und bietet dem Publikum eine Konfrontation mit dicht und ungeschminkt empfundenen Charakteren an, die aufwühlen, mitreißen und nicht mehr loslassen wollen. Kurz: Der Düsseldorfer »Hamlet« ist „Oper pur".
[...] Warum sich Michael Leinert dazu hinreißen ließ, das Geschehen szenisch mit nicht verarbeiteten Einzelaspekten zu überfrachten, wird sein Geheimnis bleiben.
Nötig hat er es keineswegs, denn sein Gespür für zwischenmenschliche Chemie ist offensichtlich, und er beweist ein großes Talent für Personenregie und die Auffächerung immens breiter Gefühlspaletten in den schwer auf nur einen Nenner zu bringenden Charaktertypen des Dramas.
[...] Die Titelrolle gestaltet der griechische Bariton Tassis Christoyannis, Ensemblemitglied des Hauses seit 5 Jahren. Neben einem markanten Äußeren stehen ihm immense Kraftreserven und angenehm timbrierte Differenzierungsmöglichkeiten für die Prägung der Hamlet-Partie zur Verfügung. Dankbare Verliebtheit, trauernder Hass und der unterschwellige Wahnsinn des Dänen-Prinzen finden stimmlich wie darstellerisch gleichermaßen überzeugende Ausdrucksformen.
Er verkörpert den ewig Suchenden, ständig Reisenden, der mal mit zwei Koffern, mal in Fliegerjacke und Laufschuhen das Geschehen auf der Festung Helsingör vorantreibt. Für Hamlet wird seine richtige Intuition gegenüber dem neuen Gemahl der Mutter personifiziert in dem aus seiner Sicht nicht zur Ruhe kommenden Schatten des ermordeten Vaters.
Michail Milanov verleiht diesem heruntergekommenen Grandseigneur in schmutzigem Frack und mit ausgebeulter Jutetasche durch sonore Stimmgewalt traurig-majestätisches Charisma.
Das mit Egoismus einhergehende Eheglück der Mutter macht aus Hamlet den rächenden Sohn, doch wenn Jeanne Piland die dramatische Partie der Königin Gertrude interpretiert, hat eine einseitige Charakterzeichnung keine Chance, und es werden seelische Abgründe, liebende Qualen und verzehrende Sorgen spür- und hörbar. Die Mutter-Sohn-Konfrontation des 3. Aktes gehört zu den ganz großen Höhepunkten des Abends. John Wegner wird seinem Ruf als weltmännischer Bösewicht-Bariton auch als König Claudius gerecht und zeichnet den Mörder seines Bruders vorerst sympathisch charmant und schließlich mit stimmlicher Härte und rhythmischer Attacke als eiskalt berechnenden Manipulanten.
Das lyrische Timbre und die Kraft zu leuchtenden Bögen von Andrej Dunaev lassen es bedauern, dass seine Partie des Laerte relativ klein ist. Dafür wartet Dunaev jedoch zusätzlich mit einer packend ästhetischen Fechtszene auf, die er gemeinsam mit Christoyannis souverän meistert. Der Marcellus von Torsten Hofmann, Günes Gürles Horatio und der Polonius des Bruno Balmelli überzeugen in gleicher Weise wie die mit schwarzem Humor sarkastisch gezeichneten Totengräber von Daniel Djambazian und Alexandru lonitza.
Und die junge Frau, die die Zuschauer zum Rasen bringt?
Das ist Marlis Petersen in der Rolle der Ophélie. Im ersten Moment entspricht sie ganz und gar nicht dem Klischee der klassischen „Femme fragile". Hoch gewachsen, schlank und attraktiv, gekleidet im schwarzen Gothic - Look, entwickelt sie sich von der in der Badewanne schmollenden Ex-Freundin Hamlets über eine im rosa Barbiepuppenplüsch funktionierende Hofdame zum verzweifelt verlassenen Gretchen in langem weißen Hängekleid mit kurz geschorenem Blondhaar und malt sich auf einer Riesenleinwand mit stilisierten Wasserblumen und Wellenelementen sämtliche Qualen von der Seele. Da fliegen die Fetzen und die Farbeimer, da zerbricht ein Mensch, da fließen die Tränen. Ihr bis in galaktische Höhen blitzblank intonierender Sopran besitzt dramatische Durchschlagskraft und ein weiblich forsches Timbre, und dennoch stehen ihr auch die stimmlichen Nuancen von Verletzbarkeit und depressiver Todesahnung zur Verfügung. Das Düsseldorfer Haus feierte berechtigterweise seine neuen Opernhelden. Brigitte Kempen
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NEUE RHEIN ZEITUNG 24.03.2006
Ein hochkarätiges Ensemble, das nach der Premiere stürmisch gefeiert wurde.

Claudius John Wegner, Gertrude Jeanne Piland Begraebnis - Szene mit dem Chor der Deutschen Oper am Rhein
In die Tiefen von Hamlets Seele leuchtet der Bariton von Tassis Christoyannis mit gnadenloser Schärfe. Das Wanken zwischen entschiedenem Rächer des Vaters und emotionsgeladenem, lyrischem Liebhaber Ophelias gelingt dem griechischen Bariton mit Bravour. Zumal im Kontrast zum reinen, auf Linie geführten hohen Sopran von Petersen und zum Mezzosopran von Jeanne Piland liefert Christoyannis ein packendes Psychogramm.
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RHEINISCHE POST
24.3.2006DÜSSELDORF. Im blassblauen Nachtgewand streift die grandiose Marlis Petersen über die Bühne, spachtelt wilde Kringel auf eine Leinwand und zuckt, girrt und fiebert dazu die Wahnsinns-Arie der Ophelia - eine pure Freude für Auge und Ohr!
[...] dass Inszenierung und Bühne (Michael Leinert) schon für das Ausweichquartier der Mobil-Oper konzipiert waren, aus technischen Gründen aber kurzfristig ins Haupthaus zurückverlagert werden mussten. So griff man auf Versatzstücke aus früheren Produktionen zurück, verquickte Altes (zum Beispiel korinthische Säulen) mit Neuem (zum Beispiel Staubsauger), plazierte gängige Chiffren (zum Beispiel 67 Totenköpfe im Setzkasten), projizierte Landschafts- und Himmelsbilder und unterbreitete der Assoziations-Geneigtheit des Publikums solcherart ein Angebot aus Ironie und Distanz; Zeitnähe und Historie.[...]
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Westdeutsche Zeitung
24.3.06HAMLET in Düsseldorf - Traumbesetzung: Marlis Petersen, Tassis Christoyannis, Jeanne Piland,
John Wegner und Andrej Duanev singen in A. Thomas’ HAMLET.
Die Rheinoper hat das Werk hervor geholt, für die Wiederbelebung keine Mittel gescheut.
Ein tosender Schlussapplaus hat für die Mühe gedankt.

"Regisseur" Hamlet und die königliche Familie bei der Schauspielerszene
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Tragischer
Held triumphiert Kölnische Rundschau 24..03.05 V on CURT J. DIEDERICHSDÜSSELDORF.Zu seinen Lebzeiten war Ambroise Thomas ein berühmter Mann. Als 1868 seine Oper „Hamlet" in Paris zum ersten Mal über die Bühne ging, wurde das mit ebensolchem Interesse beachtet wie Richard Wagners „Meistersinger" und Arigo Boitos Faustoper „Mephistofile", die im gleichen Jahr ihre Uraufführung erlebten. Heute verbindet man seinen Namen aber nur noch mit seiner Oper „Mignon" (nach Goethes „Wilhelm Meister"), die sich länger in den Spielplänen hielt - auch hier zu Lande. Von seiner Grande Opera „Hamlet" nach Shakespeares Drama ist allenfalls noch die Wahnsinnsszene der Ophelia in Erinnerung, ein Paradestück für Primadonnen. Die Deutsche Oper am Rhein knüpfte nun mit einer Neuinszenierung dieser interessanten Shakespeare-Oper an Wiederentdeckungversuche in den romanischen Ländern an, und „Hamlet" erlebte in Düsseldorf eine auch musikalisch respektable Premiere. Michael Leinert machte in seiner Regie und der von ihm verantworteten Bühnenausstattung nicht den Versuch, das Stück aus den Angeln zu heben. Abgesehen von der derzeit fast obligaten Verlegung in die Jetztzeit ließ er konventionell Shakespeare spielen - in der etwas simplifizierten Fassung der Librettisten. In der Säulenpracht eines heruntergekommenen Schlosses nahm die Tragödie ihren Lauf: spannungsgeladen, nicht ohne einen Schuss Ironie, so wie man sich das Leben heutiger Royals vorstellt. Der Geist des ermordeten Königs geisterte leibhaftig als Penner herum, und die Totengräber machten ihre üblichen Scherze. Mit guter Personenführung und effektvoller Lichtregie erreichte Leinert - immer nah an der Musik - einen in jeder Szene nachvollziehbaren Ablauf der Handlung, in den entscheidenden Momenten durchaus packend. Da mag für manchen der Tiefsinn gefehlt haben oder die visionäre Perspektive . . . Ob die in der Musik spürbar wird, darüber lässt sich streiten. Thomas feiert mit großer Geste und melodischem Raffinement Abschied von der Grande Opera, und Alexander Joel bemühte sich mit den Düsseldorfer Symphonikern, dem auch gerecht zu werden. Daran lässt sich nicht nur beim Bläserpomp noch etwas feilen. Die Titelpartie vertraute man einem Bariton an. Und Tassis Christoyannis ist ein idealer Interpret, der mit seiner jungen, modulationsreichen Stimme und seinem Spieltalent ganz in der Rolle aufging. Doch der eigentliche Star des Abends war Marlis Petersen in der bravourös angelegten Partie der Ophelia, eine brillante Koloratursopranistin, die dieses verletzliche Geschöpf überzeugend verinnerlichte. Einhelliger Jubel. |
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taz
die tageszeitung 27.3.06The time is out of joint
Michael Leinert inszeniert die Ambroise Thomas Version an der Rheinoper
[...] Mit Marlies Petersen (als Ophelia mit grandioser Wahnsinns-Arie) sowie Jeanne Piland als ehebrecherischer und mörderischer Königin stehen der Deutschen Oper am Rhein zwei darstellerisch brillierende Sängerinnen für die sinnvolle und appetitanregende Erinnerung an den abgesunkenen Kontinent Hamlet zu Verfügung. Alexander Joel leistet insgesamt präzise Arbeit am Dirigentenpult (freilich fehlt den Düsseldorfer Symphonikern eine Handbreit zur Perfektion). Tassis Christoyannis erscheint in der Titelpartie als vorzüglicher Bariton und durchgängig phantastischer Sängerdarsteller: durch ihn vor allem nimmt die existentielle Wucht der Tragödie Gestalt an und wird der durch die Kostümierung deutlich hervorgehobene Generationen-Konflikt im Hause Dänemark zur Grundsatzfrage nach dem richtigen Leben im falschen.
[...] Da wurden klassizistische Säulen, wie sie für das französische 19. Jahrhundert noch charakteristisch waren, als Rahmen aufgestellt und ein wenig Mobiliar aus der Belle epoque (bis hin zum braun marmorierten Tafelklavier rechts und dem Regal mit Totenköpfen zur Linken). In den Hohlräumen zwischen diesen aus dem Fundus zusammengeklaubten Ausstattungsstücken erzählt er die Handlung mit den sichtbar modernisierten Protagonisten sauber-konventionell - und erweist dem Stück dadurch einen guten Dienst. Um anzudeuten, dass gerade auch bei einer zwiespältigen Oper wie dieser Kontexte der Moderne mitzudenken sind, zeigen sich immer wieder markante Zitate aus Heiner Müllers "Hamletmaschine" im Hintergrund und verdeutlichen, wie drastisch diese Tragödie zu nehmen ist: The time is out of joint - auch wenn dies den derzeitigen Forderungen nach einer neoklassizistischen Bändigung des Theaters zuwiderläuft.
FRIEDER REININGHAUS

"Hamlet and friends" Tassis Christoyannis, Torsten Hofmann, Günes Gürle
DER NEUE MERKER Wien, 29. 03.2006
Die selten gespielte Opera lyrique von Ambroise Thomas war
ursprünglich als erste Premiere im Ausweichquartier der Rheinoper geplant, ein
Shakespeares Globe Theatre nachgeahmter Rundbau, in dem weitestgehend auf
Bühnenbilder verzichtet werden soll. Da sich der Umzug aber verzögerte, sah sich
das Regieteam um Regisseur Michael Leinert und Kostümbildnerin Marie
Theres Cramer plötzlich mit der Situation konfrontiert, ohne Bühnenbild doch
im großen Haus spielen zu müssen. Schade, dass es Ambroise Thomas auch nicht
ansatzweise gelingt, seine literarische Vorlage musikalisch umzusetzen. Welche
dramatische Essenz hätten andere Zeitgenossen aus Stoff gezogen. [...] Gut, dass
da eine durchdachte, punktgenaue, intelligente und teilweise auch bissig
ironische Regie den Zuschauer vom drohenden Schlaf abhalten konnte, unterstützt
von szenenweise eingeblendeten Zitaten aus Heiner Müllers "Hamletmaschine", die
als Kommentare des Gesehenen, aber leider musikalisch nicht ausgearbeiteten,
wertvolle Denkanstöße gaben. [...]
Glücklicherweise stand auch ein Weltklasseensemble zur Verfügung, allen voran
Tassis Christoyannis, der in der Rolle des Hamlet restlos überzeugen konnte.
Mit seinem schöngeführten Bariton gelangen ihm große Liebesschwüre, gespielter
Wahnsinn und innere Zerrissenheit und Verzweiflung in anrührender Weise. Ihm zur
Seite seine geliebte Ophelia, die als Gast ans Düsseldorfer Haus zurückgekehrte
Marlis Petersen, die nach ihrer unglaublichen Wahnsinnszene das Haus zur
wahren Beifallsorkanen hinriss. [...] Nahezu Beckett'sche Dimensionen hatte die
Szene mit den skurril komischen Totengräbern Daniel Djambazian und
Alexandru Ionitza. Wer das Stück einmal kennen lernen möchte, dem sei es
schon aufgrund der großartigen sängerischen Leistungen ans Herz zu legen. [...]
Barbara Jänsch
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WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG WAZ 29.03.06
Der Rest ist nicht Schweigen
Ambroise Thomas" "Hamlet" an der Rheinoper. Ein glänzendes Ensemble macht sich stark.
...Vergleicht man "Hamlet" mit Literaturopern anderer Franzosen wie Gounod und Massenet, so überrascht, dass dieses Werk in Vergessenheit geraten ist. Die Musik ist leidenschaftlich und lyrisch, steigert sich nur in wenigen Ausnahmen zu schnell in höfischen Pomp. Die Charaktere und Situationen sind klar umrissen. Und besonders die Arien der Ophelia beeindrucken durch ihren Melodienreichtum. [...]
Michael Leinerts Inszenierung und Raumkonzept wurden für eine Aufführung in der Mobilen Oper am Düsseldorfer Landtag entworfen, wohin das Düsseldorfer Opernhaus wegen Sanierungsarbeiten aber erst im April umziehen wird. So ist das Bühnenbild aus vielen Teilen aus dem Fundus collagiert [...] jedoch überzeugt die Personenführung durch größte Sorgfalt in der Zeichnung der Figuren als Politiker und Privatpersonen unserer Gegenwart.
Zudem bietet die Rheinoper für diese Rarität ein Spitzenensemble aus dem eigenen Haus auf, das durch Spielfreude und stimmliche Höchstleistungen glänzt...
RUDOLF HERMES
RHEINISCHER MERKUR 30.03.2006
Nachdem sich das französische Theater Shakespeare, wenn überhaupt, nur in entschärfter Form anverwandelt hatte, präsentierte „Hamlet" 1866 eine Wiederannäherung an die Heftigkeit des Originals. Alexander Joel stehen mit Tassis Christoyannis in der Titelpartie, Marlis Petersen und Jeanne Piland als ehebrecherisch-mörderischer Königin darstellerisch brillierende Sänger(Innen) zu Verfügung. So gelingt mit der bescheiden-zweckdienlichen Inszenierung von Michael.Leinert eine sinnvolle und appetitanregende Erinnerung an den abgesunkenen Kontinent der Grand Opéra.

Probebühne 2: Das Ensemble der Rheinoper mit dem Produktionsteam beim Konzeptionsgespräch
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Ovationen für Ophelia und Hamlet |
Allein die Wahnsinns-Szene "Pâle et blonde" von Ophelia (Marlis Petersen) wäre den Eintrittspreis wert gewesen. Die geistig aus dem Lot geratene Ophelia - entfesselt und stimmlich brillant - lebt ihren Liebeskummer dramatisch mit Farbe und Pinsel aus. Der Vergleich zum Action Painting á la Jackson Pollock drängt sich auf. Kaum sinkt sie ermattet zu Boden, brandet stürmischer Applaus auf, Bravorufe, nicht nur vereinzelt. Ovationen für Ophelia und - natürlich - Hamlet (Tassis Christoyannis), am Schluss stehender Applaus für das Ensemble und eine das Publikum begeisternde Inszenierung (Michael Leinert). Das war ein großer Abend gestern im Opernhaus! Zwei Mal ist der (von Ambroise Thomas) vertonte Hamlet noch hier zu sehen - morgen, Dienstag und am Donnerstag, dem 6. April. Wer diesen "Hamlet" miterlebt, kann sich nicht nur eines Highlights sicher sein. Es ist gewiss auch eine schöne Gelegenheit, das "alte Opernhaus" zu verabschieden.
Düsseldorf Allgemein
osi 03.04.06 www.duesseldorf-blog.deback to: www.owen-leinert.com